Konzept für eine ARA-Jugendgruppe in Reinickendorf
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1. Aktion am 1.April `05 in R.dorf vor dem Borsig-Center |
Zur allgemeinen Situation in Reinickendorf…
Reinickendorf lässt sich in weiten Teilen als ein sehr konservativ geprägter Bezirk beschreiben. Auch offene Rechte Parteien und Organisationen gibt es in Reinickendorf, welche vor allem in Wahlkampfzeiten sehr aktiv sind (Wahlwerbung). In unregelmäßigen Abständen schafften es die "Republikaner" in die BVV einzuziehen, auch die NPD tritt gelegentlich im Bezirk auf, wenn auch mit weniger Erfolg. In einigen Gebieten Reinickendorf kommt es immer wieder auch zu körperlichen Übergriffen von Rechten auf Nichtdeutsche oder Linke (Bsp. Übergriff im Borsigcenter auf eine junge linke Frau Mitte Mai 04, oder ein Übergriff auf dem S-Bhf.- Frohnau, ebenfalls auf eine alternativ aussehende junge Frau, Anfang Juni 04 dies sind sicher keine Einzelfälle gewesen)(1) . Auch wenn es in Reinickendorf im Gegensatz zu anderen Bezirken in Berlin (noch) keine ausgeprägte Neonaziszene gibt, so existiert doch eine so genannte "Kameradschaft Reinickendorf", welche in unregelmäßigen Abständen Aufkleber mit platten Hetzparolen herausgibt, ansonsten als Gruppe (noch) nicht wirklich öffentlich in Erscheinung getreten ist. Rechtsradikalismus ist also auch in Reinickendorf präsent bzw. gibt es Tendenzen, welche in eine solche Richtung weisen und Bestrebungen von Rechtsextremisten eine feste organisatorische Basis zu schaffen.
Die Bezirksverwaltung tut sich auf der anderen Seite schwer, unabhängige und Selbstorganisierte Jugendprojekte in Reinickendorf zuzulassen bzw. zu unterstützen. Gerade in sozial schwächeren Gegenden (Märkisches Viertel, Rollberge Siedlung, Tegel) tritt dies Problem deutlicher zu tage, gepaart mit der eh schlechten, aber in diesen Gegenden noch desolateren Freizeit und Beteiligungsmöglichkeit für Jugendliche. Für Jugendliche gibt es in Reinickendorf keine wirklichen Partizipationsmöglichkeiten. Das Projekt des "Jugend-Parlamentes", welches zuerst vom Bezirk hoch gelobt und bezuschusst wurde, aber aufgrund der großen bezirklichen Kontrolle (2) schnell wieder scheiterte, existiert nicht mehr. Zwar gibt es einige Jugendclubs, die ein mehr oder weniger großes Angebot für Jugendliche haben, doch wurden in letzter Zeit ein Reinickendorf immer mehr Freizeiteinrichtungen geschlossen (Bsp. Baracke). Die Selbstverwaltete Einrichtung der Falken, die "Alte Schule" in der Pankower Alle 47, erhielt vom Liegenschaftsfond des Bezirkes keine weitere Verlängerung ihres Mietvertrages und musste folgerichtig ihre Arbeit einstellen. Damit gibt es nun kein wirkliches Selbstbestimmtes Projekt von Jugendlichen für Jugendliche mehr im Bezirk.(3) Ein Selbstorganisiertes Projekt von Jugendlichen gegen Rassismus Neofaschismus und Intoleranz, in dem sie ihre Interessen unabhängig von SozialarbeiterInnen und Aufsichtspersonen verwirklichen können, tut also bitter Not…
Vorstellung des Projektes "ARA"…
ARA ist ein antirassistisches Radioprojekt der Falken, welches versucht zusammen mit Jugendlichen im öffentlichen Raum Diskussionen über das Thema Rassismus, Neofaschismus, Unterdrückung, Ungleichheit etc. und über mögliche Gegenstrategien führen möchte. Wir suchen junge Leute, die Lust haben sich mit uns zusammen gegen Rassismus, Antisemitismus und Sexismus zu engagieren und die Interesse daran haben ihre Ergebnisse unter anderen in eine Radiosendung zu verwandeln. Bei nähren Interesse stellen wir uns natürlich auch gern persönlich und ausführlich vor, aber an dieser Stelle sollte es erstmal genug damit sein.(4)
Die Idee einer ARA-Jugendgruppe in Reinickendorf…
Wie bereits oben dargelegt, glauben wir, dass die Vorraussetzungen (keine wirkliche Partizipationsmöglichkeit, überforderte Jugendclubs,…) für ein solches Projekt nicht schlecht wären. Unser Ziel wäre eine dauerhaft arbeitende Jugendgruppe aufzubauen, die in regelmäßigen Abständen an die Öffentlichkeit tritt, mit anderen Jugendlichen oder Erwachsenen in Diskussion kommt und somit ihren Betrag gegen Rechts und für ein solidarisches Miteinander leistet.
Erste Schritte…
Die ARA-Jugendgruppe Reinickendorf soll zunächst einmal versuchen sich selbst im Bezirk zu verankern und mit anderen Jugendlichen in gemeinsame Diskussion über das Thema Rassismus treten. Damit die Jugendgruppe dies Ziel erreichen kann, ist es zunächst einmal wichtig, öffentlich in Erscheinung zu treten und an öffentlichen Plätzen präsent zu sein. Deshalb soll nach Möglichkeit etwa alle sechs Wochen ein öffentlicher Auftritt stattfinden, dies könnte etwa in Form einer Diskussionsveranstaltung oder einer Kundgebung, oder einem Straßeninterview etc. stattfinden. Der öffentliche Auftritt scheint dabei am besten geeignet um auf der einen Seite möglichst viele SchülerInnen zu erreichen und auf der anderen Seite sich selbst als Gruppe zu präsentieren und mit anderen SchülerInnen in Diskussion zu treten. Dabei sollen von den Veranstaltungen Ton- bzw. Filmaufnahmen für Radio- bzw. Fernsehbeiträge gemacht werden. Dieses Material kann dann im Offenen Kanal Berlin gesendet werden, es gibt ebenfalls die Möglichkeit ganze Sendungen in Eigenregie (natürlich mit technischer Unterstützung von ARA) zu produzieren. Es würde die Möglichkeit bestehen, alle 2 Monate eine Stunde Sendezeit im Offenen Kanal zu bekommen, später evtl. auch mehr. Ebenfalls wäre evtl. auch Sendezeit im Fernsehen möglich (ebenfalls im Offenen Kanal), so dass auch kleine Kurzfilme und andere Beiträge gesendet werden können. Die ARA-Jugendgruppe Reinickendorf sollte sich zunächst zwei Mal im Monat treffen, dies kann bei Bedarf auch geändert werden. Auf dem Treffen sollte gemeinsam überlegt werden, welche Themen für weitere Veranstaltungen interessant wären, sowie Aufgaben verteilt und das gemachte Material verarbeitet werden. Die technische Ausstattung und die anfallenden Produktionskosten werden von ARA übernommen. Falls weitere Hilfe bzw. Ressourcen benötigt werden wird sich ARA darum bemühen hier ebenfalls zu helfen.
Mittelfristiges Ziel dabei wäre es, mit anderen politischen Projekten gemeinsame Zusammenarbeit zu entwickeln, perspektivisch könnten die geplanten Veranstaltungen auch zusammen organisiert werden. Daneben ist es ein wichtiges Ziel, mit Jugendlichen in Diskussionen zu kommen, das Radio-Projekt unter ihnen bekannt zu machen und sie zu Mitarbeit bzw. Eigenengagement zu bringen. Es soll versucht werden mit dieser Jugendgruppe die Reinickendorfer SchülerInnen fit gegen Rassismus zu machen, ihnen Lösungsstrategien bzw. Erklärungsansätze für das Problem des Rassismus zu liefern. Es soll an einem Klima im Bezirk gearbeitet werden, wo kein Mensch mehr das Gefühl der Ausgrenzung erfahren muss (mit der oftmals sehr gefährlichen Erfahrung körperlicher Übergriffe). Die Frage nach einer gerechten Welt steht dabei auch in der Betrachtung.
Damit dies auch gelingen kann, müssen die Jugendlichen in der Gruppe die Möglichkeit haben, ihre einzelnen Interessen und Talente bei der Produktion von Radiosendungen bzw. der Organisation der geplanten Veranstaltungen zu verwirklichen und zu fördern. ARA wird versuchen neben der Weitergabe des technischen "Know How´s" (bspw. Schnitt, Tonaufnahme, Moderation, Videoworkshop usw.) und entsprechender personeller Betreuung auch eine gemeinsame inhaltliche Arbeit zum Themenbereich Rassismus anzubieten. Dies kann der gemeinsame Besuch von Ausstellungen oder Gedenkstätten sein, oder auch gemeinsame Theorie-Seminare (Wie entsteht Rassismus?, wo fängt Rassismus an?, Was tun gegen Rassismus?,…). (5)
ARA würde zunächst einmal den folgenden Zeitplan bzw. Inhalt für den Start der Jugendgruppe vorschlagen. Wenn es dann von den künftigen Mitmachenden anderes gewünscht ist, kann der folgende Plan auch umgeworfen werden. Nur der Rahmen, das nach Möglichkeit regelmäßige öffentliche Auftritte bzw. Veranstaltungen im Bezirk stattfinden sollen und daraus Beiträge für eine Radio-Sendung gemacht werden sollen steht insoweit fest. Schließlich handelt es sich bei ARA ja um ein Antirassistisches Radio-Projekt. Was bei genügend Ressourcen und Interesse noch um diesen Rahmen herum geschieht, sollte vor allem dem Interesse der mitarbeitenden Jugendlichen geschuldet sein. Nachdem zu einem ersten "Kennenlern-Treffen" mobilisiert wurde und sich über die jeweiligen Interessen ausgetauscht wurde, soll sich überlegt werden, wie eine solche Radio-Sendung aussieht, was genau beachtet werden muss und was die Gruppe im Einzelnen ihren ZuhörerInnen mitteilen möchte. Auf dem zweiten Treffen sollte die Gruppe beginnen eine erste Veranstaltung zu überlegen und zu planen, auf der dann Mitschnitte für eine spätere Sendung gesammelt werden soll. Nebenher sollten schon erste technische Kenntnisse vermittelt werden (falls diese nicht eh schon vorhanden sind), bspw. auf einem Tagesworkshop…
Der Vorschlag von wäre sich als erstes mit dem "Chipkartensystem" in Reinickendorf auseinander zu setzen, da dieses zu einem als ein rassistisches Sondergesetz bzw. Sonderbehandlung zu kritisieren ist und als einziger Bezirk (neben Spandau) Reinickendorf noch an dem "Chipkartensystem" festhält. Auf der anderen Seite bedeutet dieses System für Flüchtlinge einen gravierenden Einschnitt in ihre Lebensqualität, da sie über kein Bargeld verfügen und gezwungen in speziellen Läden einzukaufen. In Reinickendorf wäre dies nur ein Laden, Minimal in Tegel. Eine erste öffentliche Veranstaltung könnte die Organisierung eine Informationsveranstaltung über das Chipkartensystem und dessen Konsequenzen für Flüchtlinge sein. Dazu könnten verschiedenen politische Gruppen (bspw. Initiative gegen das Chipkartensystem, Antifa Reinickedorf, Falken Reinickendorf) oder auch direkte Betroffene Diskutieren bzw. Informieren. Dies würde dann von uns aufgenommen und technisch bearbeitet. Die einzelnen Beiträge können später dann zu einer Radiosendung verarbeitet werden oder auf der ARA-Internetseite eingesehen werden. Später könnten ein öffentliches Interview an belebten Plätzen, öffentliche Diskussionen mit Politikern und Betroffenen (angelehnt an den "Berliner Platz") oder ein gemeinsames Einkaufen stattfinden.
Dabei muss es sich nicht nur thematisch auf das "Chipkartensystem" beschränken, sondern kann sich auch auf andere Aspekte und Problematiker von Rassismus ausgedehnt werden. Wenn sich das Projekt nach einer Weile gefestigt hat, kann darüber nachgedacht werden, ob und wie weit sich das ganze noch ausdehnen lässt bzw. inwieweit die Gruppe ihren Themen- und Aktionsradius vergrößern kann. Zu Beginn sollte versucht werden sich nicht arbeitstechnisch zu übernehmen um eine Resignation und Überlastung zu verhindern, je mehr Jugendliche sich in die Gruppe einbringen, desto mehr kann auch gemacht werden. ARA wird versuchen hierbei die Jugendgruppe nach Kräften personell und strukturell zu unterstützen.
Dieses Konzept soll lediglich einen groben Rahmen für die Jugendgruppe umreißen, letztlich sind es natürlich die Interessen der Jugendliche die entscheiden sollten, denn schließlich ist es ja ihr Projekt bzw. soll es werden…
(1)Der genaue Hergang der Übergriffe und die Namen der Opfer sind ARA bekannt
(2)Bspw. wollte das Jugendparlament eine Graffiti-Wettbewerb organisieren, worauf die CDU intervenierte und drohte die Gelder zu sperren. Ein anderes Beispiel wäre ein Flugblatt des Jugendparlamentes gegen den Irak-Krieg, welches ebenfalls großen Unmut bei der CDU und einigen anderen Politikern hervorrief.
(3)Außer die Antifaschistische Initiative Reinickendorf [AIR], die aber auch nicht für alle interessierten Jugendliche eine Beteiligungsmöglichkeit bieten kann und thematisch in einem etwas anderen Bereich arbeit als wir
(4)Zur weiteren Information hier die Internetadresse von ARA: www.ara-berlin.de
(5)Bspw. bestehen gute Kontakte zum Berliner "Bildungswerk" der Heinrich Böll Stiftung und der "Hellen Panke", welche in regelmäßigen Abständen inhaltliche Seminare anbieten.
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